Radio+TV
Kennen Sie die schönste Stelle auf der Fahrt von Bremen ins Neandertal? Die ist beim Wiedereintritt in den »Sektor«, wie die jungen Leute auf 1Live das Sendegebiet des Westdeutschen Rundfunks nennen.
Endlich keine dümmlichen Sprüche mehr, kein Extra-Hall lullt die Musik ein, kein Verkehr für den ganzen Norden. Kein »NDR 2 – und das Leben beginnt« mehr. Sondern wieder »WDR 2 – Der Sender«. Punkt.
Ich habe den größten Teil meines Lebens in Niedersachsen verbracht, zum Glück immer dicht genug am Rand. So konnte ich als Kind mit selbst gebastelten Radios Hansawelle Bremen hören oder eben später WDR 2. Selbst das in Südniedersachsen zu empfangende Programm von HR 3 ist angenehmer als NDR 2. Auch das private Radio in Niedersachsen ist nicht mein Ding, auch wenn es Oliver Kalkofe entdeckt hat.
Meine letzte angenehme Erinnerung an NDR 2 ist Henning Venske, aber mit dem wollten die ja nichts mehr zu tun haben.
Am vergangenen Sonntag lief beim Wiedereintritt gerade Ohrenbär auf WDR 5. (Läuft auch auf NDRinfo, weiß ich, gabs zu meiner Zeit aber noch nicht. Und gucken Sie mal nach, wer bei NDRinfo die Magazinsendungen koproduziert.) Anschliessend kam –wie immer am Sonntag– »Streng öffentlich«, diesmal »Mozart zum Kugeln«, eine musikkabarettistische Geburtstagsparty mit Lars Reichow und Dietrich »Piano«-Paul. Das war eine wunderbar kurzweilige Fahrt. Nur am Schluß musste ich einen Tick langsamer fahren. Sonst hätte ich die Sendung nicht zu Ende hören können.
Kürzlich hab’ ich wieder häufiger ein Lied gehört, dass ich schon gut leiden mochte als es 1973 neu war. Udo Lindenberg und das Panik-Orchester wurden populär mit »Alles klar auf der Andrea Doria« und auf dem gleichnamigen Album war auch »Cello«. Das habe ich damals sogar mal live erlebt. Eine Freundin kannte irgendwie den Panik-Guitarristen aus der Schule, und deshalb hatten wir Karten für ein Konzert in einer Mindener Schulaula.
Die Udo-Platte (eine der ca. 2 Dutzend Schallplatten, die ich überhaupt je besessen habe) kann ich mangels vinyl-kompatibler Laufwerke gerade nicht hören, aber ich erinnere mich an eine ebenfalls schöne Fassung von BAP auf »Hut Ab! Hommage an Udo Lindenberg« (1994).
Gestern abend in der NDR-Talkshow gab’s »Cello« mit Kai Fischer (Piano) und Gustav Peter Wöhler, der mich auch schon früher mit der von Dunja Raijter übersetzten Fassung von Gloria Gaynors »I Will Survive« begeistert hat.
Meine liebste Fassung ist aber die von Queen Bee, die in ihrem leider letzten Programm »Abseits ist, wenn keiner pfeift« eine wunderschöne, an die Sicht der Cellistin angepasste, Fassung hatten. Zum Glück hab’ ich die beiden Bienenköniginnen im November 2005 im Düsseldorfer Savoy-Theater erlebt. Wer’s verpasst hat muss sich mit der CD trösten. Wirklich schade, dass die beiden nicht weiter machen wollen.
Neulich wurde auf der Neuigkeiten-Seite der Annals of Improbable Research (AIR) über eine kommende Tagung für Fersehmeteorologen berichtet. Die können auf der Konferenz lernen, wie man so richtig gute Voraussagen macht, und zwar von einem Gärtner, der kurz zuvor noch Bock war.
AIR News: The keynote speaker is a living symbol of competence and skill. His own education occurred rapidly and famously in 2005, during Hurricane Katrina, when he led the U.S. government preparations that saved the city of New Orleans from what looked like imminent disaster. He is none other than:
Keynote Speaker: Michael D. Brown, Former FEMA Director; Emergency Preparedness Consultant
Na, daraufhin hat der Tagungsveranstalter, der Herr Weidinger, den Annalen aber einen Brief geschrieben, aber einen geharnischten:
AIR News: Or is it OK that as a blogger, you can just you ignorantly pop-off. Any ass can do that. How about making some effort, demonstrate some professionalism and take some time to know what you're writing about.
Ist doch wahr, da könnte ja jeder kommen. Das hat aber jetz gesessen, was?
The Annals of Improbable Research, wo se ooch den Ig Noble Prize (Wikipedia) ausrichten, find ik ja schon lange knorke, wa, aber det, det adelt.
In Telepolis kommentiert Twister die Aussagen eines der Initiatoren und Macher der Kampagne (das ist der vornehme Ausdruck für »Feldzug«) Du bist Deutschland über die Miesepeter, die zu eben dieser Kampagne eine Meinung haben und sich erfrechen, diese auch Kund zu tun: Ungefragte Meinungsäußerungen von Undankbaren.
Diese durch Artikel 5 GG gedeckten (traurig, dass man das überhaupt erwähnen muss) Meinungsäußerungen als ungefragte Absonderungen an den »Klowänden des Internets« zu bezeichnen, ist schon ein Meisterstück für einen Kommunikationsprofi. Respekt. So verschafft man sich Anerkennung, jedenfalls wenn man der Devise »Viel Feind - viel Ehr« anhängt.
Aber wir hätten es wissen können. Die Aversion gegen Klowände ist ja sogar in dem Fernsehspot verborgen, ich hatte das neulich nur noch nicht richtig kapiert.
Ulrich Wickert: Mag sein, du stehst mit dem Rücken zur Wand…
Klofrau: …oder mit dem Gesicht vor einer Mauer.
Marcel Reich-Ranitzky: Aber einmal haben wir schon gemeinsam eine Mauer umgerissen.
Das war nicht lustig gemeint, oder gar unbeabsichtigt. Das ist doch wohl eine Aufmunterung zum umreissen von Klomauern.
Gut, dass der Herr… na Sie wissen schon, das noch mal geklärt hat. Nun ist der Groschen gefallen.
Streng öffentlich! (WDR 5 - 15.01.2006, 20.05 Uhr)
Natürlich wissen Sie wer das ist, notfalls gucken Sie in der Wikipedia: Robert Gernhardt, Peter KnorrRobert Gernhardt und Peter Knorr lesen Texte zur Lernbelästigung
Einer der gebildetsten Deutschen, der berühmte Hans Nimmermehr, der ja bekanntlich alles gelernt hat, was Hänschen nicht lernen mochte, hat einmal gesagt: Wissen bedeutet Macht. Wir wissen aber nichts? Macht nichts! Robert Gernhardt und Peter Knorr, die beiden Autoren der Neuen Frankfurter Schule, wissen, wie man mit Wissen Spaß macht, und lehren in ihren Texten all das, was uns gerade noch gefehlt hat. Ihr Motto für diesen Abend: Es muss doch etwas bleiben, beim Rechnen, Lesen und insbesondere beim Schreiben.[WDR]
Unterhaltung am Wochenende (WDR 5 - 14.01.2006, 16.05 Uhr)
Bestimmt sind die Herren Schräuble und de Fries auch dabei, und die wunderbare Erkennungsmelodie. Unbedingter Hörbefehl! Ich programmier schon mal die Aufnahme.Radio-Schätzchen dargeboten von Wendelin Haverkamp.
Wer sagt denn, dass es die guten alten Radiosendungen nicht mehr gibt: »Hermann Hoffmanns Dachkammermusik« hieß einer der Höhepunkte der »Unterhaltung am Wochenende« in den 70er Jahren. Die »Unterhaltung am Wochenende« existiert immer noch, und die »Dachkammermusik« wird wieder gesendet: am 14. Januar. Was heute am Computer schnell zusammengestellt ist, stellte damals den Gipfel der Tonschnipselei dar. [WDR]
Der WDR feiert fünfzigsten und zeigt alte Schnippsel moderiert von Harald Schmidt und Elke Heidenreich.
Schmidt: Von Biolek habe ich einen Satz gelernt: »Auch die schechteste Sendung wird ein Erfolg wenn sie nur oft genug kommt.«Hach, wie recht sie doch hat.
Heidenreich: Und Christiansen ist das beste Beispiel.
Gerade lief im Fernsehen zum x-ten Male ein Spot der Kampagne »Du bist Deutschland«. Offenbar hab’ ich das erste Mal hingehört:
Ulrich Wickert: Mag sein, du stehst mit dem Rücken zur Wand…
Mir unbekannte Klofrau: …oder mit dem Gesicht vor einer Mauer.
Das ist ja schon lustig genug, aber es kommt noch besser. Es folgt der Ansporn von
Marcel Reich-Ranitzky: Aber einmal haben wir schon gemeinsam eine Mauer umgerissen.
Na, Männer, habt ihr das verstanden? Macht die Rohre klar, die nächste Mauer wird umgepinkelt! Hat jemand einen Terminvorschlag?
Mit Winkeln habe ich eigentlich keine Probleme. Im Gegenteil, mein halbes Leben habe ich mit Winkeln, meist auf Kugelobeflächen, verbracht. Ich habe nichts gegen Alt- oder Neugrad, hab’ sogar schon trigonometrische Funktionen zu meinem persönlichen Vorteil eingesetzt. Als Winkel kann ich sogar die Rechten ertragen. Aber einen Winkel kann ich seit Monaten trotz seines Namens nicht ertragen: den Ertragswinkel.
»Steigern Sie Ihren Ertragswinkel« fordert mich eine Fernsehwerbung auf. Frei nach Angelo kann ich da nur erwidern »Isch habe gar keine Ertragswinkel«. Und selbst wenn ich einen hätte, wie soll ich mir das mit der Steigerung vorstellen? Ertragswinkel, etragswinkeler, am ertragswinkelsten? Waren da die Typen am Werk, die seinerzeit schon »Deutschlands meiste (sic!) Kreditkarte« gesteigert haben?
Obendrein hat diese Werbung bei mir komplett versagt; schon bei der Erwähnung des Ertragswinkels bin ich so angewidert, dass ich nicht mehr mitbekomme, wofür und von wem da geworben wird. Das ist insofern schade, als ich normalerweise Produkte oder Hersteller mit auf-den-Keks-geh-Werbung beim Geld ausgeben übergehe. Hoffentlich haben die Leute den Ertragswinkel auf unerträglich großen Postern an die Wand ihrer Geschäftsstelle genagelt, sodass ich noch rechtzeitig woanders hingehen kann.
PS: Aus einem früheren Experiment in die Souvenirs übertragen (siehe dort).
Die Fernsehnachrichten über die Tsunami im indischen Ozean sind gespickt mit gedankenlosen Formulierungen.
- Immer wieder tauchen Amateurvideos auf. — Ja wie? Aus den Fluten? Sind Videos denn so wasserfest?
- Klinik-Airbusse werden von Köln aus in Marsch gesetzt. — Ich hoffe, sie fliegen. Bevor jede Hilfe zu spät kommt.
Und es waren nicht die sogenannten Nachrichten in den Sendern, die ich über meinen Waschmittelkonsum ungefragt und unabmeldbar mitbezahle.
PS: Aus einem früheren Experiment in die Souvenirs übertragen (siehe dort).

